Dienstag, 12. Mai 2015

Gedichte

von Tilman Hartwig
Dieses Gedicht habe ich zu eurer Hochzeit geschrieben:


Die Liebe zu beschreiben war noch nie sehr leicht,
Doch helfen uns Gedichte hier vielleicht.
Aber können bloße Worte für die Beschreibung der Liebe reichen?
Und mit was soll eine Metapher die Liebe denn vergleichen?
Doch wenn der Lyriker die Liebe nicht zu erklären schafft,
So hilft uns hier vielleicht die Wissenschaft:

Die Linguisten sehen das „wir“ als Personalpronomen
Und so steht es vor Verben und vor Nomen.
Doch für die Liebe ist das wir viel mehr:
Das du und ich im Singular sind oft so leer
Und nur im Plural macht es für die Liebe Sinn.
So geben sich du und ich einander hin.

Für den Mathematiker ist die 2 nur eine Zahl
Und eins plus eins gleich zwei klingt irgendwie banal.
Doch für die Liebe ist die 2 noch sehr viel weiter:
Es gibt für sie kein erster und kein zweiter.
Der Liebe sind Rechenregeln einerlei
Und eins plus eins ist so viel mehr als 2!

Das Herz ist für die Medizin ein wichtiger Teil des Körper
Und so beschreiben sie es durch lateinische Wörter.
Doch für die Liebe ist das Herz mehr als Adern und Venen:
Es beschreibt, wie sich Menschen nacheinander sehnen.
Man malt es in Briefe oder ritzt es in Bäume.
Es ist für die Liebe so wichtig wie gemeinsame Träume.

In der Chemie sind Verbindungen elementar.
Sie beschreiben was ein Molekül ist und ein Atom war.
Doch für die Liebe ist die Verbindung zweier Menschen das Fundament,
Egal ob man sich acht oder achtzig Jahre kennt.

Ihr geht heute diese Verbindung ein ohne Chemie zu kennen,
Ihr schenkt euch eure Herzen, ohne dessen lateinischen Namen zu nennen.
Für euch ist eins und eins nicht zwei, sondern mindestens gleich vier
Und das du und ich sind für euch ab heut das wir!



Und dieses Gedicht habe ich zu Moritz Beerdigung geschrieben:

Moritz, dein Tod ist ein großes schwarzes Loch für uns alle!
In meiner Doktorarbeit versuche ich eigentlich zu verstehen,
wie schwarze Löcher entstehen.
Es gibt aber auch schwarze Löcher auf dieser Welt,
für die mir keine Erklärung, kein Grund einfällt.
Aber ja, auch die schwärzesten Löcher strahlen, wenn sie Materie akkretieren.
Sie strahlen sogar so hell, dass wir sie durchs ganze Universum sehen können.
So wie du!
Dein Strahlen erfüllt uns, das ganze Universum und wird uns immer in Erinnerung bleiben.
So hell, wie tausende Sonnen!

Bienen hüten.
Lavendel Blüten.
Aus Hüten Kaninchen zaubern.
Kindern ein Lächeln in ihre Gesichter zaubern.

Es heißt immer, alles sei Vergänglich.
Aber Moritz, das war dir doch auch egal, wenn wir zusammen containern waren.
Vergänglichkeit ist relativ und du wirst für uns nie vergehen!

Bei eurer Hochzeit habe ich gesagt 1 Plus 1 sei so viel mehr als zwei.
Dein Tod, Moritz, ist jedoch für uns kein Minus eins,
sondern eher ein Limes gegen unendlich,
oder vielleicht ein Wendepunkt.
Aber sicher kein minus 1,
denn in unseren Herzen, Gedanken und Geschichten lebst du weiter.

Bus ausbauen.
Abgelaufene Lebensmittel klauen.
Am Atlantik kiten gehen.
Die Probleme dieser Welt verstehen.
Mensch sein.

KSC anfeuern.
Mit gefälschtem Studentenausweis deine Unschuld beteuern.
Regenwürmer, Stabheuschrecken, Weidenhaus.
Von oben sieht die Welt so nichtig aus.

Du hast in 30 Jahren so viel erlebt,
so vielen Menschen Freude bereitet,
so viele Ideen verwirklicht,
wie manch andere Menschen nicht in 90 Jahren.

Moritz, du wirst immer in unseren Herzen strahlen!



1 Kommentar:

  1. Zur Erinnerung an einen der tollsten Menschen, mit dem ich Lebenszeit teilen durfte....

    MORITZ

    Weltenbummler, Tausendsassa,
    Bienenzüchter, Faxenmacher,
    Busausstatter, Segelsurfer,
    Ehemann und Häuslebauer,
    hinterläßt er eine Lücke, die niemand jemals schließen kann.
    Ein Schlitzohr und ein Glücklichmacher,
    bei der Judith, da gabs kein Geschacher,
    liebevoll in all den Jahren, fingen sie dann an zu sparen,
    doch der Reisedrang war nie erlahmt,
    es ging immer weg, soweit ihr kamt.
    Der Bus, der war das zweite Heim,
    nie warn sie da drin allein....angemalt und zugesprüht,
    ging es dann von Nord nach Süd....in die Welt und drum
    herum; wie die Biene sagt Summ, Summ....

    Auch war er ein toller Lehrer, kein Prolet und kein Beschwerer,
    die Kinder mochten ihn sehr gerne; er zeigte ihnen oft die Sterne!!
    Der Moritz war ein Bauchentscheider; sicher, es gab manchen Neider....
    doch die Konsequenz, mit der er Dinge plante, und das war, was dann
    jeder ahnte, mutig, kühn und einzigartig....vom Bus umbauen bis hin zur Statik!

    Ein lieber Kerl, ein Seelenmensch!
    Ich glaube, er wollt` gern ne Ranch....mit Viechern, Ziegen und viel Bienen!!
    Ein Kirschbaum und auch Apfelsinen!
    Ja, er war ein Machertyp, er züchtete die gelbe Rüb`!
    Pflanzen, Tiere, einerlei, die Neugier, die war nie vorbei...

    Kurzum, er war ein toller Mann; zog alle uns in seinen Bann...
    jetzt ist er bei den Sternen oben...
    doch das Treffen, das ist nur verschoben....
    Wir sehn uns dann...am Regenbogen...

    Ruhe in Frieden, Moritz!

    Daniel

    AntwortenLöschen